Was ist Vitamin B12?
Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin mit einer Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten anderen wasserlöslichen Vitaminen kann der Körper es in der Leber speichern. Die Körperspeicher betragen etwa 2–5 mg, hauptsächlich in der Leber. Das reicht bei gut gefüllten Speichern für mehrere Jahre.
Der Sammelname für alle cobaltcorrinoiden Verbindungen mit Vitamin-B12-Aktivität lautet Cobalamin. Das Kobaltatom (Co) sitzt im Zentrum des Moleküls, daher der Name. In der Praxis sind vier Formen relevant:
| Form | Vorkommen | Besonderheit |
|---|---|---|
| Cyanocobalamin | Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel | Synthetisch hergestellt, günstig und lagerstabil; der Körper wandelt es in die aktiven Formen um |
| Methylcobalamin | Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel | Aktive Coenzym-Form; direkt verwertbar, keine Umwandlung nötig |
| Adenosylcobalamin | Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel (oft kombiniert) | Zweite aktive Coenzym-Form; spielt vor allem in den Mitochondrien eine Rolle |
| Hydroxocobalamin | Tierische Lebensmittel, medizinische Injektionspräparate | Natürlich in Lebensmitteln vorkommend; lange Halbwertszeit im Blut |
In Lebensmitteln liegt B12 hauptsächlich als Hydroxy- und Adenosylcobalamin vor. In Nahrungsergänzungsmitteln dominieren Cyanocobalamin und Methylcobalamin.
Funktionen von Vitamin B12
Die folgenden Funktionsangaben zu Vitamin B12 sind von der EU bestätigt.*
| Bereich | Funktion im Körper |
|---|---|
| Energiestoffwechsel | „Vitamin B12 trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei" |
| Nervensystem | „Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei" |
| Blutbildung | „Vitamin B12 trägt zu einer normalen Bildung roter Blutkörperchen bei" |
| Immunsystem | „Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" |
| Müdigkeit | „Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei" |
| Psychische Funktion | „Vitamin B12 trägt zur normalen psychischen Funktion bei" |
| Zellteilung | „Vitamin B12 hat eine Funktion bei der Zellteilung" |
Alle Claims beziehen sich auf den Nährstoff Vitamin B12. Sie beschreiben die Erhaltung normaler Körperfunktionen, nicht die Verbesserung über den Normalzustand hinaus. Der Wortlaut ist EU-weit verbindlich und darf nicht ergänzt oder umformuliert werden.
* EU-zugelassene Health Claims zu Vitamin B12 (VO (EU) Nr. 432/2012)
Tagesbedarf: DGE-Schätzwert und EU-NRV
Für Vitamin B12 nennt die DGE keinen klassischen Empfehlungswert, sondern einen Schätzwert für eine angemessene Zufuhr. Dieser Schätzwert gilt als ausreichend. Er ist keine Mindestmenge, die täglich exakt erreicht werden muss.
| Gruppe | Schätzwert pro Tag |
|---|---|
| Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene | 4,0 µg |
| Schwangere | 4,5 µg |
| Stillende | 5,5 µg |
Die EU-Nährstoffreferenzmenge (NRV) beträgt 2,5 µg täglich. Sie dient der Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen und unterscheidet sich von den DGE-Schätzwerten, weil beide auf unterschiedlichen Bewertungsrahmen basieren.*
Da der Körper B12 in der Leber speichert, gleicht er kurzfristige Lücken aus. Das bedeutet aber auch: Ein schleichender Mangel bleibt oft lange unbemerkt. Wer dauerhaft zu wenig aufnimmt, bemerkt das häufig erst nach Monaten oder Jahren.
* DGE-Schätzwerte: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage 2019. EU-NRV: VO (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII.
Vitamin B12 in Lebensmitteln

Tierische Lebensmittel sind die verlässlichsten B12-Quellen. Organe wie Leber stehen mengenmäßig weit oben, sind aber nicht als tägliche Alltagsempfehlung gedacht. Fetter Fisch wie Hering und Makrele liefert hohe Mengen. Fleisch, Eier und Milchprodukte tragen zur täglichen Versorgung bei.
Vitamin B12 in ausgewählten Lebensmitteln pro 100 g essbarer Anteil:
| Lebensmittel | Vitamin B12 (ca.) |
|---|---|
| Rinderleber, gebraten | ca. 55 µg |
| Heringsfilet, gegrillt | ca. 10 µg |
| Makrele, gegrillt | ca. 11,44 µg |
| Lachs, gegrillt | ca. 4,6 µg |
| Thunfisch, gegrillt | ca. 5,31 µg |
| Rinderbraten, ohne Sauce | ca. 1,48 µg |
| Hühnerei, gekocht | ca. 2 µg |
| Gouda (mind. 30 % Fett i. Tr.) | ca. 2,2 µg |
| Camembert (mind. 45 % Fett i. Tr.) | ca. 0,59 µg |
| Vollmilch (3,5 %, pasteurisiert) | ca. 0,37 µg |
Quelle: Bundeslebensmittelschlüssel (BLS). Gehalte können je nach Tierart, Haltungsform und Zubereitungsart variieren. Die Angaben dienen als Orientierung.
Pflanzliche Lebensmittel liefern kein für den Menschen verlässlich verwertbares B12. Seetang, Spirulina und fermentierte Produkte wie Tempeh enthalten zwar Verbindungen mit ähnlicher Struktur (Analoga), die biologisch aber nicht wirksam sind. Angereicherte Lebensmittel wie Pflanzenmilch können ergänzen; die genaue Menge hängt von der Rezeptur ab.
→ Alle Lebensmittelmengen im Detail: Vitamin B12 in Lebensmitteln: pflanzliche und tierische Quellen
Vitamin B12 in Nahrungsergänzungsmitteln
Wer seinen B12-Bedarf nicht über die Ernährung decken kann, greift auf Nahrungsergänzungsmittel zurück. In NEM kommen vor allem vier Formen vor.
Cyanocobalamin ist die am häufigsten verwendete synthetische Form. Es ist günstig und lagerstabil. Der Körper wandelt es in die aktiven Coenzym-Formen um.
Methylcobalamin ist eine der beiden aktiven Coenzym-Formen. Es ist direkt verwertbar und muss nicht umgewandelt werden.
Adenosylcobalamin ist die zweite aktive Coenzym-Form. Es spielt hauptsächlich in den Mitochondrien eine Rolle. Einige NEM kombinieren beide aktiven Formen.
Hydroxocobalamin kommt natürlich in Lebensmitteln vor und wird auch für medizinische Injektionspräparate eingesetzt. In oralen NEM ist es weniger verbreitet.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Tagesdosis von maximal 25 µg Vitamin B12. Da B12 wasserlöslich ist, scheidet der Körper überschüssige Mengen über den Urin aus. Toxische Wirkungen durch zu hohe Zufuhr sind nicht beschrieben. Eine EFSA-Obergrenze (Tolerable Upper Intake Level) wurde für B12 nicht festgelegt.
→ Alles zur Überdosierung: Vitamin-B12-Überdosierung: Was passiert bei hoher Zufuhr?
{{-- PRODUKTBOX: erlaubt – Vitamin B12 Tropfen, 50 ml (Kräuterland), Methylcobalamin + Adenosylcobalamin, 500 µg pro Tagesdosis (2 Tropfen), vegan, alkoholfrei. Kein Überlegenheitsanspruch. --}}Wer hat erhöhten Bedarf?
Bestimmte Gruppen haben ein höheres Risiko für eine unzureichende B12-Versorgung.
Veganer und Vegetarier
Rein pflanzliche Ernährung liefert kein verlässliches B12. Die DGE empfiehlt vegan lebenden Personen ausdrücklich, dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einzunehmen. Vegetarier nehmen über Eier und Milchprodukte etwas B12 auf, kommen aber oft nicht zuverlässig auf den Schätzwert.
Menschen ab 50
Mit zunehmendem Alter bildet der Magen häufiger weniger Magensäure. Magensäure ist aber nötig, um B12 aus Nahrungsproteinen zu lösen. Ältere Menschen können deshalb schlechter aufnehmen, auch wenn sie tierische Lebensmittel essen. Besonders Personen über 65 Jahren sollten ihren B12-Status im Blick behalten.*
Bei bestimmten Medikamenten
Metformin (ein Wirkstoff in bestimmten Diabetes-Medikamenten) kann die B12-Aufnahme im Dünndarm hemmen. Wer Metformin langfristig einnimmt, sollte den B12-Status regelmäßig ärztlich überprüfen lassen. Auch Protonenpumpeninhibitoren (Magensäureblocker) können die Aufnahme bei langfristiger Einnahme beeinflussen.
Bei Magenerkrankungen oder -operationen
Atrophische Gastritis, bestimmte Magenoperationen oder Autoimmunprozesse können die Bildung des Intrinsic Factors beeinträchtigen. Ohne ausreichend Intrinsic Factor nimmt der Körper aus normalen Nahrungsmengen kaum noch B12 auf. Diese Situation erfordert ärztliche Abklärung und Begleitung.
* Empfehlung laut DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung sowie DGE-Referenzwerten (2019).
Vitamin-B12-Mangel: Anzeichen im Überblick
Ein B12-Mangel entwickelt sich schleichend, weil der Körper Reserven hat. Typische Anzeichen können sein:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
- Konzentrationsprobleme und Gedächtnisschwäche
- Blasse Haut (durch veränderte Blutbildung)
- Entzündungen der Mundschleimhaut
Da diese Anzeichen viele Ursachen haben können, ist eine ärztliche Abklärung nötig. Laborparameter, die bei Verdacht eingesetzt werden, sind unter anderem: Serum-Vitamin-B12 (Orientierung), Holo-Transcobalamin (aktives B12, empfindlicherer Wert), Methylmalonsäure und Homocystein.
→ Ausführliche Informationen: Vitamin-B12-Mangel: Ursachen, Anzeichen und Risikogruppen
Was die Aufnahme beeinflusst
Die Aufnahme von B12 aus Lebensmitteln folgt einem mehrstufigen Prozess:
- Magensäure löst B12 aus den Nahrungsproteinen.
- Das Bindeprotein Haptocorrin schützt B12 im sauren Magenmilieu.
- Im Dünndarm übergibt Haptocorrin das B12 an den Intrinsic Factor (IF).
- Der IF-B12-Komplex wird am Ende des Dünndarms (Ileum) aufgenommen.
Den Intrinsic Factor bilden Belegzellen (Parietalzellen) im Magen. Ohne ausreichend IF nimmt der Körper aus normalen Nahrungsmengen kaum B12 auf. Nur etwa 1–2 % werden durch passive Diffusion ohne IF aufgenommen. Bei sehr hohen oralen Dosen (z. B. 500–1.000 µg in NEM) macht das absolut mehr aus, bleibt aber mengenmäßig begrenzt.
Faktoren, die die Aufnahme verringern können:
- Weniger Magensäure (z. B. bei atrophischer Gastritis, im Alter, bei Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren)
- Eingeschränkte Intrinsic-Factor-Bildung (Autoimmunprozesse, Magenoperationen)
- Erkrankungen des Ileums (z. B. Morbus Crohn mit Befall des unteren Dünndarms)
- Bestimmte Medikamente (Metformin, langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren)
Weitere Artikel zu Vitamin B12
- Vitamin-B12-Mangel: Ursachen, Anzeichen und Risikogruppen
- Vitamin B12 in Lebensmitteln: pflanzliche und tierische Quellen
- Vitamin-B12-Überdosierung: Was passiert bei hoher Zufuhr?
- B-Vitamine: Überblick über die gesamte Gruppe
- Vitamine: alle 13 essenziellen Nährstoffe im Überblick
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Vitamin B12
- DGE: Häufige Fragen zur veganen Ernährung (B12-Empfehlung für Veganer)
- Europäische Kommission: EU Register of Nutrition and Health Claims
- EU-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (HCVO)
- EU-Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (zugelassene Health Claims)
- EU-Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 Anhang XIII (NRV)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengenvorschläge für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln
Letzte Überarbeitung: Juni 2026. Alle Funktionsangaben folgen den EU-zugelassenen Health Claims nach VO (EG) Nr. 1924/2006 und VO (EU) Nr. 432/2012. Die wissenschaftliche Bewertung der Claims erfolgte durch die EFSA. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.





